Kapelle "Maria Himmelskönigin" Klein-Villip

Kapelle Maria Himmelskönigin in Kleinvillip (c) Renate Pütz

„Memoria. 1823 den 21ten Juny haben ich zu Kleine-Villip das Klöckgen in dem Kappelgen aufgehangen und das erste mal auf der platz mittag geleut. Vor ein andenken. Und ich habe in dem Kappelgen die schreiner arbeit gemacht. Johann Peter Wilms in Adendorff hat dies alles machen lassen aus seinen mitteln. Heinrich Kündgen, schreiner in Adendorff „

Während die Kapellen von Arzdorf und Holzem in der Tranchotkarte von 1808 gut erkennbar sind, findet man keinen Hinweis auf eine Kapelle in Klein Villip (KV). Man kann also davon ausgehen, dass die Tagebuchnotiz  des Schreiners Heinrich Kündgen, die zufällig im Siegburger Keisarchiv gelandet ist, tatsächlich die Geburtsurkunde des kleinen Gotteshauses dokumentiert. Ein Johann Peter Wilms aus Adendorf hat sie demnach gestiftet. Leider hat er sie nicht mit Eigenmitteln zu ihrer Unterhaltung ausgestattet, und das bereitete den KV-ern, die sehr arm waren, im Laufe der Jahre großen Kummer. Amtlich wurde die Kapelle dann erstmals in einer preußischen Katasterkarte 1825 als geodätischer Fixpunkt auf  „Gemeindegrund von Villip“ vermerkt.

Für die Menschen in KV war das kleine Gotteshaus, das sie unter das Patrozinium der schmerzhaften Mutter Gottes stellten, unendlich bedeutsam. Als der Pfarrer von Adendorf ihnen dann auch noch eine Madonna aus dem Bestand seiner Pfarrkirche überließ, hatten die KVer endlich einen Dorfmittelpunkt, geziert von einer wunderschönen barocken Maria Himmelskönigin. Generationen von Christen haben ihr wohl ihre Ängste, Sorgen und Nöte anvertraut, haben dort Trost und Zuversicht beim gemeinsamen Gebet gefunden.

Aber schon um die Jahrhundertwende wird der Zustand der Kapelle als erbärmlich beschrieben. Mitte der 20iger Jahre ist sie dann so baufällig, dass die Bewohner des Dorfes um die Sicherheit ihrer, wie sie inzwischen wissen, wertvollen Madonna fürchten. Zuerst überlegte man sie zu verkaufen, um aus dem Erlös die Kapelle zu sanieren. Sie brachten es aber nicht übers Herz „ihre Madonna“ zu versilbern und tranportierten sie wehmütig zurück in ihre alte Heimat, der Adendorfer Pfarrkirche.

Statt dessen starteten sie eine Spendenaktion.  Stolze 1.260,- Mark kamen insgesamt zusammen, die aber für eine grundlegende Sanierung nicht reichten. Immer wieder wurde dann das Nötigste ausgebessert und 1938 das marode Fachwerk völlig beseitigt und durch Schwemmsteinmauerwerk ersetzt. 1965 wurde sie von der Eigentümerin, der Gemeinde Adendorf, aus Sicherheitsgründen verschlossen, und nachdem der Landeskonservator ihre historische Wertlosigkeit bestätigt hatte,  wird der „gut durchbetete“ kleine Sakralbau 1973 niedergelegt.

Im Jahr 2000 haben eine handvoll Christen einen gemeinnützigen Verein „Zur Wiedererrichtung der Kapelle in Klein Villip“ gegründet. Sie haben es geschafft – ganz ohne öffentliche Mittel – durch Spenden, Patenschaften, mit Handwerkern, die umsonst oder zum Selbstkostenpreis arbeiteten , innerhalb von 10 Jahren eine edle Kopie des alten Kapellchens zu erstellen. Am 22. August 2010 wurde es von Abt Benedikt aus Maria Laach eingesegnet und unter das Patrozinium der Maria Königin gestellt.

 

Der schlicht, aber stimmig, eingerichtete Innenraum wurde komplett vom KVer-Restaurator Roland Gassert gestaltet, die neue Madonna von Rudolph Hürth entworfen.

Maria E. Böhm

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