St. Margareta Adendorf

Ad Kirche quer_Renate Pütz (c) Renate Pütz

Unter den Gotteshäusern der Gemeinde Wachtberg zeichnet sich Sankt Margareta in Adendorf durch zwei Besonderheiten aus: Noch heute befindet sich rechts am Chor die Loge, die sich die Herren der Burg Adendorf einst für ihre Gottesdienstbesuche vorbehielten. „Fürstenloch“ – so despektierlich wurde dieser Anbau von den Adendorfern genannt. Ein Denkmal des Bürgerstolzes und Gewerbefleißes sind hingegen die prächtigen Fenster der rechten Kirchenschiffwand. Gestiftet zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, setzten sie den damals wichtigsten Erwerbszweigen des Dorfes ein Denkmal.

 

Die hl. Margareta, der die Kirche geweiht ist, wurde um 305 nach Christus wegen ihres Glaubens hingerichtet. Der Name Margareta stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Perle“. Der Margaretatag am 13. Juli war früher der Tag, an dem die Bauern mit der Ernte begannen.

 

Wann die erste Kirche in Adendorf gebaut wurde, ist nicht bekannt. Die älteste Erwähnung der Pfarre datiert aus dem Jahr 1215. Das heute bestehende Gebäude stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 1515. In einer Beschreibung der Kirche aus dem Jahr 1833 heißt es: „Die Kirche selbst wurde auf muthmaßliche Angabe im Jahre 1515 erbaut. Sie liegt in der Mitte des Dorfes, in der Richtung von Westen nach Osten. Durch den Abbruch eines massiven, dem Einsturz drohenden Thurmes, der an der Westseite stand, sollen mehrere Wölbungen der Kirche Risse bekommen haben, wie noch zu sehen ist. An die Stelle des abgebrochenen wurde ein neuer, auf die Kirche nicht passender Thurm in den siebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut, der, an der Ostseite derselben angebracht, wie ein Anhängsel da steht. … Die Kirche, aus einem Schiffe mit steinernen Gewölben bestehend, 70 Fuß lang, 30 breit, ist luftig gebaut, und, ohne besondere Bauart, in baulicher Beziehung in einem ziemlich guten Zustande. Es finden sich darin zwei Beichtstühle zu beiden Seiten, sich gegenüber stehend, und eine Kanzel, die einfach geschnitzt, und von geringem Geschmacke, doch auf den Bau der Kirche passend sind, und drei Altäre, die zwar kunstlos sind, aber doch auf das Ganze ebenfalls passen.“  

 

Um 1900 wurde die Kirche um zwei Joche nach Westen verlängert. Bis dahin schloss das Gebäude mit einer abgewalmten Giebelmauer mit großem rechteckigenFenster, einem kleinen Rundfensterchen im Giebel darüber sowie einer vorgelagerten kleinen Vorhalle ab.

 

Es war die Zeit, als die zahlreichen Töpfereibetriebe dem Dorf fast den Charakter eines Industrieortes gaben. Sorgenvoll musste der Pfarrer vermerken, dass es bei der Reichstagswahl auch acht Stimmen für die Sozialdemokraten gegeben habe: „Keine Gemeinde in der Umgegend hatte so viele aufzuweisen.“ Das reichte damals aus, um den Adendorfern den Ruf einzutragen, sie seien „radikal“.

 

Im Anschluss an die Kirchenerweiterung begann man, das Gebäude mit neuen Fenstern auszustatten. Geschaffen wurden sie von der Firma Wilhelm Derix aus Goch am Niederrhein. Zwei dieser Fenster fallen besonders ins Auge:  Das dritte Fenster auf der rechten Seite zeigt das Gleichnis vom Sämann, wobei im Hintergrund die Burg Münchhausen erscheint. Wie die Inschrift sagt, wurde es 1913 von den Adendorfer Landwirten gestiftet. Das fünfte Fenster zeigt das seltene Motiv des Propheten Jeremiah in der Töpferwerkstatt. Es erinnert an die Töpfer, die das Fenster der Kirche 1907 zum Geschenk machten.

 

Vermutlich sollte auch die linke Seite der Kirche ähnlich prächtige Glasgemälde erhalten. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Als letztes Fenster wurde die Darstellung der Marienkrönung über dem rechten Seiteneingang eingesetzt. Mit dem darunter abgebildeten Soldatenfriedhof erinnert es an die Schrecken des 1. Weltkriegs.

 

Nachdem die Adendorfer 2015 das fünfhundertjährige Bestehen ihres Gotteshauses feiern konnten, steht nun die wichtige und lohnende Renovierung von Kirche und Fenstern an.

 

Frank Hüllen   <<

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