St. Michaelskapelle in Pech

St. Michael Kapelle Pech

Die alte Kapelle des kleinen Ortes „an de Bech“ (an den Bächen), ein Holzbau von 1715, war im frühen 19. Jahrhundert zu klein für das auf 230 Einwohner gewachsene „Bech“ geworden. Am 29.09.1860 weiht an gleicher Stelle Pfarrer Jakob Maubach die neue „Sankt Michaelskapelle“ ein. Die stolze kleine Kapelle in der Formensprache der rheinischen Neuromanik wird auch als eine der „kleinen Schwestern des Kölner Doms“ bezeichnet. Errichtet aus Schiefergestein (Sockel), braunem Sandstein und roten Ziegeln, und mit ihren Basaltsäulen und dem Tuffstein-Rundbogen über der Tür vereint sie in einem einzigen Bauwerk die vielen steinförmigen Baumaterialien
des Rheinlands! Vielleicht ein schöner Beweis rheinischer Vielfalt und Fröhlichkeit…

1942 wird die fast 100 kg wiegende Bronzeglocke beschlagnahmt, damit die dem Heiligen Michael geweihte Bronze einem noch höheren Ziel dienen möge – man hatte sich aber in allen Belangen geirrt, wie sich schon sehr bald herausstellt. Als Ersatz wird eine Stahlglocke eingesetzt. Ihr scheppernder Klang wird für Jahrzehnte zum Markenzeichen der Kapelle. Die neue Glocke klingt wahrlich nicht besonders schön, aber einmalig. „Et pass alles…“

Die Jahrzehnte gehen ins Land, ab 1971 werden die
Sonntagsmessen in der neu erbauten großen Erzengelkirche
gefeiert. Aber 2007 wird dann die Stahlglocke ersetzt durch eine überraschend gestiftete etwa 75 kg wiegende Bronze-Glocke mit folgenden Merkmalen:
Schlagton / Nominal (g’’-6), Unteroktav-Vertreter (fis’+3), Prim-Vertreter (g’’-3), Terz (b’’-4), Quint-Vertreter (cis’’’±o), Oktave (g’’’-6), Dezime (c’’’’-5), Abklingdauerwerte (in Sek. ): Unteroktav-Vertreter (90) Prim-Vertreter (17), Terz (12)
Welch ein Klang! Können Sie es hören? Nach der offiziellen
akustischen Beurteilung des Geläutes nach Norbert Jachtmann „…überzeugt sie durch ihr Singtemperament.
Die Innenharmonien der neuen Michaelsglocke sind frei von Störtönen. Alle Abweichungen von der genormten Regel sind innerhalb der Toleranzen. Der stark gesenkte Quintvertreter ist glücklicherweise nicht so laut, dass er nicht ins Gewicht
fällt. Auch der leicht gesenkte Unterton fällt nicht unangenehm auf. Die Glocke erhält durch diese leichten Nuancen Lebendigkeit und Charakter. Die Abklingdauerwerte sind mehr als ausreichend. Dies spricht für die Güte des Materials und der Verarbeitung.“
Manch ein alteingesessener Pecher meint aber, dass die „alte Eisenglocke auch nicht viel anders, vor allem auch gut geklungen hätte“. Vielleicht ein schlichter Beweis rheinischer Bescheidenheit …
2011 – nachträglich zur 150. Jahrfeier – wird die Kapelle
an der Fassade und dem Dach meisterlich renoviert sowie innen frisch gestrichen. Adrett erstrahlt sie nun hinter ihrem dank ehrenamtlicher Helfer gepflegten Vorplatz.
Wie sieht die Zukunft der Sankt Michaelskapelle aus?
Das geübte Auge mag glauben, dass das Kirchlein,
eingeschmiegt in die Zeile der Fachwerkhäuser an der
Hauptstraße, sich ein wenig hin zur Straße neigt. Die
verbauten Natursteine - vermutlich aus dem angrenzenden
Hangareal oder vom Villiper Steinbruch - lassen zu viel Nässe durch die Außenmauern eindringen. Außerdem macht sich der Holzwurm über das Inventar her … bei der kleinen Schwester ist es wie beim großen Bruder, dem Kölner Dom: Fertig wird sie wohl nie so ganz …

Dr. Stefan Hagen

 

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